Das Telefon

ist ein Alltagsgegenstand der Menschen verbindet. Das Spektrum zur Übertragung von Emotionen ist hierbei nur auf den akustischen Sinn beschränkt. Das tele*emo*fon hingegen verbindet zwei Personen über eine erweiterte Ebene, indem es dieses Spektrum über spezielle Module erweitert. Ein Modul misst und überträgt die Körperwärme am Handteil. Ein weiteres Modul ermittelt den Herzschlag und lässt das Handteil pulsieren. Ein drittes Modul misst die Schweißabsonderung und lässt das Handteil schwitzen. Die Gesprächspartner können sich gegenseitig fühlen und die räumliche Distanz zwischen ihnen wird durch emotionale Nähe ersetzt.

 

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teleemofon

// Ausstellungen:
Hochschultage 2011 [HfK Bremen]
Best of HfK 2011 [Wilhelm Wagenfeld Haus Bremen]

Konzept

Bezugnehmend auf die Kursbeschreibung (Beziehung von Menschen und Maschinen gefiltert durch das Konzept der Nähe) wollte ich eine besondere Beziehung zwischen zwei Menschen über eine Maschine herstellen. Zielsetzung dabei war es die Distanz zwischen zwei Personen soweit zu reduzieren, dass die Zweisamkeit auch auf Distanz entsteht. Dies sollte auf einer emotionalen Ebene geschehen.

Ein Telefon eignet sich hierfür sehr gut, da es zwei Menschen über Distanz kommunikativ verbindet. Fügt man einen emotionalen Faktor hinzu, wird das Gefühl des Telefonierens, das Interagieren mit einer anderen Person an einem anderen Ort, durch diesen Faktor direkt verstärkt und es entsteht eine emotionale Kommunikationsebene. Die Personen sehen einander hierbei nicht, sie fühlen sich. Möglich wird dies über den organischen Charakter des Telefons mit seinen spezifischen Qualitäten und Funktionen, welche unter dem Punkt Funktionen erläutert werden. Gemeint sind die Pulsfunktion und die Wärmefunktion, welche im Telefon integriert wurden.

Besitzen zwei Personen ein tele*emo*fon, so können sie einander beim telefonieren fühlen. Sie fühlen gegenseitig die Handwärme und den Pulsschlag des anderen. Wiedergegeben wird dies über eine im Handteil verbaute Wärmeeinheit, die sich auf die Temperatur des Gesprächspartners erwärmt und über einen Schwellkörper der den Pulsschlag simuliert. Gemessen wird über entsprechende Sensoren am Handteil des Telefons.

 

Die Umsetzung

Nachdem die Grundidee klar war und die Funktionen definiert wurden, habe ich über die gestalterische Komponente nachgedacht. Die Grundlage bildete das "Standard Telefon 01 093" der Deutschen Fernsprecher Gesellschaft, ein Analogtelefon von 1994 mit Impulswahl, Hörerkabel und großem Tastenfeld.

Erste Skizzen bildeten die Grundlage für weitere Schritte. Das im Original beige Telefon sollte eine weiße Hochglanzlackierung, sowie neue Tastenelemente erhalten. Weiterhin wurde das Telefon mit Sensoren ausgestattet und technisch angepasst.

tastenfeld grafik wärmefunktion pulsfunktion

Die fertigen Tasten wurden eingesetzt und das Telefon wurde zusammengebaut. Die Funktionstauglichkeit wurde erprüft und sichergestellt. Es folgte die Dokumentation.

teleemofon skizze

teleemofon skizze2

teleemofon skizze3

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Funktionen

Das tele*emo*fon besitzt organische Funktionen, wie etwa die Puls- und Handwärmefunktion. Diese Funktionen erzeugen eine emotionale Kommunikationsebene zwischen den Gesprächspartnern. Die Illusion der Zweisamkeit wird während des telefonierens durch die besonderen Funktionen und ihren Eigenschaften verstärkt.

Über die jeweiligen Funkionstasten können Funktionen separat hinzugeschaltet werden.

 

 

Die Gesprächspartner sehen einander nicht, aber sie fühlen sich. Sensoren am Handteil des tele*emo*fons messen die Handwärme und den Puls und senden ihn an das Handteil des Gesprächspartners. Dieses erwärmt sich auf die gemessene Temperatur und gibt über einen Schwellkörper im Handteil den Puls wieder. So spüren die Gesprächspersonen gegenseitig Puls und Wärme des Partners. Dadurch wird eine besondere, emotionalere, Kommunikationsebene geschaffen, die das Gefühl der Zweisamkeit während des telefonierens direkt verstärkt.

 

Die Pulsfunktion

Über drei Pulssensoren an der Seite des Handteils wird der Puls an den Fingern gemessen. Die Wiedergabe erfolgt über einen Schwellkörper, der geräuschlos pulsiert. Er befindet sich zwischen Ohr- und Sprechmuschel und ist mit einer Flüssigkeit gefüllt, die über eine Druckpumpe in den Druckbeutel gepresst wird.

 

Die Handwärmefunktion

Über einen großen Wärmesensor an der Oberseite des Handteils wird die Temperatur der Handinnenfläche gemessen. Wiedergegeben wird die Wärme über zwei dünne Heizdrähte im inneren des Handteils, die auf bis zu 40°C erhitzt werden können. Sie verlaufen schlangenlinenartig durch die einzelnen Schalen des Handteils.

 

sweat*fon

Optional zu den bereits genannten Funktionen gibt es einige Zusatzfunktionen, mit denen das tele*emo*fon erweitert werden kann. Als Beispiel wird das sweat*fon aufgeführt (die übrigen werden im Handbuch beschrieben).

teleemofon puls

teleemofon waermesensor

 

Das sweat*fon gibt über die transpirierende Oberfläche auf dem Hörer diverse Flüssigkeiten aus. Diese werden zuvor in den Tank im Gehäuse des tele*emo*fons eingefüllt. Über die Hörerschnur wird die Flüssigkeit in den Hörer geleitet und über eine Membran ausgegeben. Die Tropfenmenge kann reguliert werden - Wasserdampf und auch Durchlaufmengen von bis zu 1 Liter pro Minute sind möglich. An der Unterseite des Gehäuses befindet sich ein Einstellrad für die Durchlaufmenge. Dort kann die Funktion auch durch das die Einstellung „0“ ausgeschaltet werden. Grundsätzlich tritt die Funktion zufällig auf.

sweatfon
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Kurs

"In diesem Kurs wollen wir uns mit den verschiedenen Facetten der Beziehung von Menschen und Maschinen gefiltert durch das Konzept der Nähe beschäftigen. Dabei können technologisch, soziolgisch oder formale Positionen bezogen werden.

Nähe ist ein räumlicher Filter.
Nähe ist ein kommunikativer Kontext.
Nähe ist eine Limitation wie auch eine Chance.

Wir beschäftigen uns mit
der Nähe zwischen Menschen,
der Nähe zwischen Menschen und Maschinen aber auch mit der Nähe zwischen Maschinen.

Wie formen Maschinen die Nähe zwischen Menschen?
Zwischen zwei Menschen?
Wie formt Nähe die Beziehung zwischen zwei Maschinen?
Wie erzeugen Maschinen Nähe? Wie verhindern sie sie?
Wie helfen Maschinen wenn wir Nähe wollen? Wie wenn nicht?"

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NEARNESS
Prof. Dennis Paul
SS 2010

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